Otto und Erika – „Was ist Freifunk?!“

Was ist Freifunk?!

hören wir einmal einem Gespräch zwischen Otto und Erika zu:

Erika: Ich will meinen privaten Internetzugang mit anderen teilen!

Otto: Wenn du diesen Gedanken hast, dann bist du bei Freifunk goldrichtig. Wir wollen für ein flächendeckendes WLAN in Rotenburg sorgen.

Erika: Toll! Aber habe ich keine rechtlichen Konsequenzen, wenn ich das einfach so mache?

Otto: Nein. Laut § 8 TMG ist der Bereitsteller der Infrastuktur nicht für die Daten, die darüber geleitet werden, verantwortlich.

Erika: Was genau macht Freifunk dann aus? Kann ich nicht einfach mein WLAN zuhause ohne Passwort für alle freigeben?

Otto: Ganz so einfach ist die Sache leider nicht. Wenn über den Zugang dann eine Straftat begangen wird, dann ist leider bisher der Anschlussinhaber dafür verantwortlich zu beweisen, dass er es nicht selbst war.

Erika: Und wie hilft Freifunk da jetzt?

Otto: Da hilft dir der Freifunkrouter. Er baut über ein schon bestehenden Internetzugang eine Verbindung zu unseren Servern auf. Er schickt alle Internetpakete verpackt an unseren Server und von da aus werden die Pakete dann erst ins Internet gelassen.

Erika: Verstehe. Dann ist die IP-Adresse, über die gesurft wird, gar nicht meine eigene, sondern die von euren Servern?

Otto: Richtig! Nur noch wir Admins könnten dann den Verkehr nachvollziehen. Und diese Daten werden auch nirgendwo gespeichert. Die Admins sind ein sehr sorgfältig ausgewählter, vertrauenswürdiger Personenkreis, der Zugriff auf unsere Serverinfrastruktur hat. Gerade genug Menschen um die Server am Leben zu erhalten.

Erika: Schön. Aber noch mal zu dem Router zurück. Kann den Job nicht auch die Fritzbox, die ich schon zuhause habe übernehmen?

Otto: Leider nicht. Die Geräte benötigen eine bestimmte Software, die nicht auf allen Geräten funktioniert. Wir haben eine Liste von unterstützten Geräten zusammengestellt.

Erika: Kann ich jetzt meine Fritzbox dafür abschaffen?

Otto: Auch das nicht. Der Freifunkrouter wird an den schon bestehenden Router angeschlossen um darüber eine Internetverbindung aufzubauen.

Erika: Dann habe ich ja zwei Geräte herumstehen. Das ist ja schon ein bisschen doof.

Otto: Ein Freifunkrouter verbraucht sehr wenig Strom. Umgerechnet kostet dich der Strom hierfü weniger als 10 Euro im Jahr.

Erika: Hm. Ich dachte immer Freifunk wäre kostenlos.

Otto: Nein. Natürlich nicht. Ein Netz kostet immer etwas. Es geht mehr um „frei“ wie in dem Wort „Freiheit“. Freifunk ermöglicht es, ein freies und vor allem auch dezentrales Netz aufzubauen. Zwei Freifunkrouter, die in Sichtweite sind, die ignorieren sich nicht, wie bei gewöhnlichen Routern, sondern verbinden sich sogar.

Erika: Was bringt es denn, wenn sie sich verbinden?

Otto: Der erste Freifunkrouter in einer Kette braucht einen Internetanschluss und weitere in Sichtweite brauchen keinen mehr. Sie fangen das WLAN-Signal des Ersten ein und vergrößern so die Reichweite.

Erika: Ich verstehe. So wie ein WLAN-Repeater.

Otto: Ja, die Technik ist ähnlich. Wir nennen das Mesh-Netzwerk, weil dabei ein vermaschtes Netzwerk entsteht. Wenn so ein Netz groß wird, dann ist es sehr ausfallsicher, da der Wegfall eines einzelnen Knotens über Umwege wieder ausgeglichen werden kann. Unser Traum ist es also so ein Netz so dicht wie möglich in und um Rotenburg aufzubauen.

Erika: Und was macht dieses Netz nun frei?

Otto: Wir legen Wert darauf, dass unser Netz frei für alle ist. Keine Zensur. Kein Aussperren von Einzelnen. Keine Portsperren. Natürlich nur solange es dem Erhalt des Netzes nicht im Weg steht. Jeder Freifunker stimmt dem zu, indem er sich an das sogenannte Pico-Peering-Agreement hält.

Erika: Das hört sich lobenswert an. Es scheint sich bei Freifunk, also um mehr als eine kostenlose Hotspot-Lösung zu handeln. Das finde ich schön. Da kann man ruhigen Gewissens ein paar Euro in die Hand nehmen.

Otto: Spricht noch irgendetwas dagegen mitzumachen?

Erika: Ich bin technisch nicht sehr versiert. Ist das kompliziert einzurichten?

Otto: Nein. Das schafft sogar ein Laie. Dazu gibt es eine Anleitung , die versucht alles gut zu erklären. Aber wenn du willst, dann kann ich dir gerne zeigen, wie es geht.

Erika: Kann ich nicht einen fertigen Router bei euch erwerben?

Otto: Nein. Wir verkaufen keine Router. Dann müssten wir zum Beispiel Gewähr für die Geräte leisten. Da wir aber alle nur als Privatpersonen freifunken, können wir so etwas nicht anbieten. Außerdem möchten wir, dass man sich ein wenig mit der Thematik beschäftigt und man das Netz nicht als gottgegeben hinnimmt. Wenn du weißt, wie du einen handelsüblichen Router in einen Freifunkrouter umwandelst, dann kannst du es später vielleicht auch mal deinen Freunden zeigen.

Erika: Dann versuche ich mich mal an der Anleitung, die ihr im Wiki zusammengestellt habt. Vielleicht ist es ja wirklich nicht so schwer. Und wenn ich nicht weiter komme, dann besuche ich euch einfach bei einem eurer Treffen.

Otto: Gern! Und verbreite den Gedanken von Freifunk weiter.